03. Februar 2018

Tausche Puma gegen Kunst

Ex-Puma-Chef und Top-Manager Jochen Zeitz schafft mit dem größten Kunst-Museum Afrikas Raum für den kreativen Ausdruck eines ganzen Kontinents. Der Mannheimer Manager Jochen Zeitz, heute 53, gehört zu den Legenden unter den deutschen Wirtschaftslenkern. 1993, mit gerade mal 30 Jahren, wurde er zum jüngsten Vorstandsvorsitzenden einer börsennotierten deutschen Firma, dem Sportartikelhersteller Puma. Er schaffte den Turnaround, belebte die zuvor müde gewordene Marke wieder und machte einen begehrten Lifestyle-Brand daraus. Fast 20 Jahre führte Zeitz Puma, und es war während dieser Zeit, dass er ein besonderes Faible für Afrika entwickelte.

In meinem Puma-Leben spielte Afrika bereits eine wichtige Rolle, schon weil wir als eine der ersten großen Sportmarken afrikanische Fußballer in der Bundesliga sponserten und auch afrikanische Mannschaften unterstützten. Wir haben dann auch afrikanische Künstler eingeladen, einige unserer Produkte zu gestalten. Ich war seit meinem ersten Besuch 1989 von Afrika fasziniert.

Jochen Zeitz

Kunst im Design-Silo

Heute lebt der Manager drei bis vier Monate im Jahr in Kenia, wo er auf dem Laikipia-Plateau ein 20.000 Hektar großes Tierreservat besitzt und das Segera-Öko-Luxusresort betreibt. „Ich habe eine Passion für Afrika,“ sagt Jochen Zeitz, und er begann frühzeitig, afrikanische Gegenwartskunst zu sammeln, eine Kunstrichtung die in der internationalen Kunstszene lange keine Rolle spielte. Inzwischen hat sich das geändert und viele Künstler aus Afrika werden hoch gehandelt. Frühzeitig eingestiegen besitzt Jochen Zeitz heute eine der weltweit größten Sammlungen zeitgenössischer Kunst aus Afrika.

Einen kleinen Teil davon zeigte er bisher auf seinem Anwesen in Kenia. „Aber die Idee war immer, die Werke in einem Museum öffentlich zugänglich zu machen, wenn wir den richtigen Platz dafür finden würden,“ so Zeitz. Bereits 2008 traf er in den USA den Kurator Mark Coetzee aus Südafrika. Er wurde zum Mitstreiter und Partner für das Museumsprojekt, dessen Direktor er jetzt ist. „Wir wollten ein Gebäude mit Geschichte, wir wollten hohe Besucherzahlen und es sollte in einer Stadt mit minimaler Umweltverschmutzung sein,“ so die Forderung von Zeitz.

Fünf Jahre lang haben wir in ganz Afrika einen passenden Ort gesucht, bis uns die V&A Waterfront in Kapstadt ein ikonisches, geschichtsträchtiges Gebäude gegeben hat, gelegen an einem der meistbesuchten und ikonischsten Orte in ganz Afrika.

Jochen Zeitz

Kapstadts kreativste Schaufenster

Am 22. September öffneten sich nach jahrelanger Bauzeit endlich die gläsernen Türen des Zeitz Museum Of Contemporary African Art (MOCAA) zum ersten Mal dem Publikum, in einem 1924 erbauten ehemaligen Getreidesilo. Der britische Architekt Thomas Heatherwick hat seit 2014 das Kunststück vollbracht, aus einem Komplex von 42 aneinander gereihten Silos und dem daneben aufragenden Getreideheber-Turm einen in sich stimmigen Bau zu schaffen. Herzstück ist das von Heatherwick geschaffene 33 Meter hohe Atrium, das von innen an eine Kathedrale erinnert.

Von den restlichen 24 Silos wurde das Innere komplett entfernt, nur ihre gerundeten Außenwände blieben stehen. Insgesamt neun Stockwerke weist das künftige Museum nun auf, verbunden durch eine grandiose Wendeltreppe, die wie ein großer Korkenzieher durch eines der halb offenen Silos verläuft, und zwei spektakuläre gläserne Fahrstühle. Die Gesamtfläche des umgebauten Silokomplexes erstreckt sich über 9500 Quadratmeter, wovon 6000 Quadratmeter Ausstellungsfläche sind. 80 einzelne Galerien gibt es, die neben der Zeitz-Sammlung temporäre Sonderausstellungen zeigen werden.

Teile des grandios umgebauten Speichers sind für das Publikum bereits seit März geöffnet. Seither empfängt das Boutique-Hotel „The Silo“ über dem Museum schon betuchte Gäste. Es ist ein magischer Ort, hier oben auf der Sky Terrace des Hotels The Silo, 65 Meter hoch über einer der großartigsten Städte der Welt. Früher standen hier ganz oben Antriebsmotoren für Getreideheber, jetzt stehen hier Liegestühle auf grünem Kunstrasen. Gäste des Boutique-Hotels genießen zum Sundowner ein Glas kalten Rosé-Sekt aus dem hauseigenen Weingut.

Kreatives Kraftwerk

Im Hotelbereich, wo es ursprünglich nur kleine Fenster gab, hat Thomas Heatherwick die Gebäudehülle geöffnet und Riesenfenster eingesetzt. Bis zu 5,50 Meter hoch und aus jeweils 58 Glaspanels bestehend, verschlangen sie allein rund ein Zehntel der Baukosten.

Damit bietet sich jetzt überall aus dem Inneren ein unübertrefflicher Blick auf Kapstadt. An jeder Ecke konkurriert das ambitionierte Innendesign, mal dezent, mal schrill und abgefahren, mit diesem Ausblick. Zumindest bei Tageslicht fällt es schwer, sich überhaupt dem Innenraum zu widmen – so überwältigend sind die optischen Reize Kapstadts vor den Riesenfenstern.

"Das MOCAA setzt all dem, was Kapstadt bietet, noch eins obendrauf. Für uns hat Kapstadt einfach alle Anforderungen erfüllt, nicht umsonst wird es als eine der schönsten Städte der Welt bezeichnet." schwärmt Jochen Zeitz.

Das umgebaute Getreidesilo ist ein weiteres Juwel in der Krone Südafrikas, einem der attraktivsten Reiseländer der Welt. Das Land am Kap der Guten Hoffnung bietet einfach alles, was Besucher fasziniert: Grandiose Natur – vom Hochgebirge der Drakensberge über die Karoo-Wüste, Busch- und Grasland im Nordosten, endlose Sandstrände bis hin zu fruchtbaren Weingebieten der Kap-Region. Und das ganzjährig mit Sonnenscheingarantie. Die „Big Five“ lassen sich auf einer Safari etwa im Krüger Nationalpark genauso bestaunen wie im Indischen Ozean Haie beim Tauchen oder Pinguine, gar nicht weit von Kapstadt. Menschen verschiedenster Völker, Sprachen und Hautfarben leben in Südafrika friedlich zusammen und sorgen für einzigartige Vielfalt bei Kultur und Kulinarik. Es ist kein Zufall, dass Menschen wie Jochen Zeitz an Südafrika ihr Herz verloren haben.

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Andreas Spaeth

Andreas Spaeth
Luftfahrt-Journalist

Als leidenschaftlicher Vielflieger ist Andreas der Meinung, dass die Freiheit nicht nur über den Wolken grenzenlos ist. Der renommierte Luftfahrt-Journalist, 2014 wurde er mit dem Hugo-Junkers Preis ausgezeichnet, kommt an die schönsten Orte der Welt und berichtet immer wieder über sie. Und sammelt nebenbei noch jede Menge Meilen.

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Reiseinfos

Südafrika

Praktische Reiseinfos

Ob wildromantische Garden Route, ursprünglicher Osten oder moderne Metropolen - Südafrika zeigt sich facettenreich und ist sowohl für Gourmets und Kulturinteressierte als auch Naturliebhaber ein abwechslungsreiches Ziel. In keinem anderen afrikanischen Land ist eine solche Vielfalt an spektakulären Natur-Kulissen zu finden.

Übernachtung

Südafrika bietet Übernachtungsmöglichkeiten vom kleinen Bed & Breakfast über Boutique Hotels bis hin zu luxuriösen Weingütern und Lodges.

Beste Reisezeit

Südafrika ist das ganze Jahr über zu bereisen. Je nachdem in welche Region Sie reisen unterscheidet sich das Klima. Die Kapregion ist geprägt von mildem Klima und besonders während des südafrikanischen Sommers von Dezember bis Februar ist es sonnig und warm. Von Mai bis September hingegen wird es kaum wärmer als 20 Grad und im Juni/Juli regnet es teils sehr ergiebig. An der Atlantikküste ist das Wetter ähnlich wie am Kap. Von Juni bis August steigt das Thermometer selten über 20 Grad. Aber auch in den anderen Monaten wird es nicht unangenehm heiß – durchschnittlich werden 27,5 Grad erreicht. Das Wetter am Indischen Ozean (Ostkap) ist wärmer als am Westkap und selbst in den Wintermonaten sinken die Temperaturen selten unter 10 Grad. Im Landesinneren sind die Unterschiede zwischen Tag und Nacht deutlich größer als an den Küsten. Einstellige Tiefstwerte sind von April/Mai bis September/Oktober zu erwarten. Maximaltemperaturen jenseits der 30 Grad werden von Dezember bis Februar erreicht.

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